Montag, 15. Januar 2007

Miles Kosmopolitis - Zwei Chancen!

Viele beklagen sinkende Tauglichkeitsraten (nur um die 60% aller Wehrpflichtigen werden anlässlich der Aushebung als diensttauglich befunden und bis zu 20% des Anfangsbestands scheiden aus RS und Kaderschulen im Laufe der Zeit aus!), ohne sich die gestiegenen Anforderungen an den Wehrmann zu vergegenwärtigen. Vereinfachend werden dafür Ursachen in der narzisstischen Eigenverliebtheit der heutigen Nintendo- und MTV-Generation gesucht.
Gleichzeitig aber wird die Gesellschaftsschichten kittende Funktion der Schweizer Armee herauf beschworen, ohne sich über die Bedeutung und Folgerungen des xenophob klingenden, mancherorts vernommenen Spruch Rechenschaft abzulegen: "Als Helvetier ist man geboren – Schweizer wird man".

Armee: Xenophobe Segregation oder gesellschaftliche Klammer?
Das Argument, die Armee erfülle ihre Daseinsberechtigung als gesellschaftlich integrierender Faktor - sozusagen als gesellschaftliche Klammer – verliert jede Legitimation, solange kaum noch 50% der Wehrpflichtigen dieser Pflicht nachkommen und solange in der Schweiz niedergelassenen Ausländern der Wehrdienst verweigert wird. Damit wird vielmehr der Ausgrenzung als der sozialen Integration Vorschub geleistet.
MILES KOSMOPOLITIS eröffnet die Chance, die allgemeine Wehrpflicht auszuweiten: So könnte eine freiwillige Wehrpflicht für alle in der Schweiz wohnhaften Ausländer damit verbunden werden, dass nach einem erfolgreichen Auslandeinsatz, die Einbürgerung vereinfacht wird. Denn wer beweist besser als derjenige, welcher die "Schweizer Werte oder Interessen" mit seinem Leben zu verteidigen bereit ist, dass er "wert" ist, "Schweizer" zu sein und willens ist, sich in die Gesellschaft zu integrieren? Zudem liessen sich so die im Auslandeinsatz unabdingbaren Fremdsprach- aber auch Kulturkompetenzen - unserer "Ausländer" nutzen.

Instruktorenmangel? Ideenmangel!
Seit nunmehr rund 90 Jahren (seit General Wille d. Ä.) wird regelmässig der Instruktorenmangel in der Schweizer Armee beklagt, ohne es zu wagen, andere Wege als derjenige des Herabsetzens der Anforderungen an die Instruktorenkandidaten aufzuzeigen. So ist das Projekt der Militärschule [1] geboren worden, was in Tat und Wahrheit zu Teilen ein Zurück zum System A61 im Bereich der Instruktorenausbildung darstellt.

Wieso geht die Armee nicht den Weg, den viele multinationale Konzerne schon lange abgeschritten haben?

Der Schweiz grenzen Staaten an, die einerseits aufgrund der Einführung der Freiwilligkeit und/oder Reduzierung ihrer Streitkräfte und andererseits, die aufgrund intensiver Auslandeinsätze (overstretch) und wenig attraktiven Anstellungsverhältnisse, eine nicht zu verachtende Anzahl von Berufsoffizieren und –unteroffizieren herausschwemmen, die bereit wären, sofort ihren Dienst in der eigenen Armee zu quittieren, um für die im Vergleich so attraktiven Anstellungsbedingung in der Schweizer Armee tätig zu werden.
Unsere Nachbarländer leben nach denselben freiheitlich demokratischen Werten. Und ihre Soldaten werden nach diesen erzogen.
Die Idee des MILES KOSMOPOLITIS ermöglichte diesen Kameraden, diese freiheitlich demokratischen Werte unabhängig von der Nation, in Streitkräften ihrer Wahl, zu verteidigen. Nicht das Gewaltmonopol des Staates, sondern das Streitkräftemonopol ist aufzubrechen. Dies gereichte allen betroffenen Staaten zum Vorteil:
  • Know-how Transfer zwischen Streitkräften;
  • Vertrauensbildende Massnahmen und Förderung des kulturellen Verständnisses;
  • Grössere Zufriedenheit des Berufsmilitärs, da dieser nicht zwischen Militär als Berufung oder Zivilberuf entscheiden muss, sondern weitere Wege zur persönlichen Entfaltung finden kann;
  • Karrierenmuster werden bunter;
  • grössere Konkurrenz wird bessere Qualität beim Berufspersonal zur Folge haben;
  • einer Öffnung folgte eine transnationale Intensivierung des militärwissenschaftlichen Diskurs;
  • die multinationale Zusammenarbeit würde vereinfacht, da sie als natürlich verstanden ist;
  • Engagements im Ausland unterlägen einer besseren multinationalen Koordination und wären schon in ihrer Konzeption nachhaltig.

Was hindert uns daran? Die Streitkräfte der Vereinigten Königreichs Grossbritannien (UK Armed Forces Recruitment) und Australiens Streitkräfte werben öffentlich um Offiziere aus dem Commonwealth resp. aus dem Ausland.

Non Australian Citizen or Permanent Resident.If you are not an Australian Citizen or Permanent Resident, you will need to refer to the Overseas Enquirer Information for the Navy, Army and Air Force.
Please select from the following options to view Overseas Enquirer Information for entry into the Navy, Army or Air Force.
Navy Overseas Enquirer Information
Army Overseas Enquirer Information
Air Force Overseas Enquirer Information

[1] Militärschule für Zeitoffiziere ohne Maturität, die von ihren Lehrverbänden für die Ausbildung zum Berufsoffizier vorgesehen sind, absolvieren als Grundausbildung zuerst die einjährige Militärschule 1 und nach drei Jahren Einsatz die wiederum einjährige Militärschule 2. Nach Bestehen der gesamten Grundausbildung beginnen die Berufsoffiziere ihre Tätigkeit als Einheitsberufsoffizier oder als Klassenlehrer in Kaderschulen.


weiterführende Literatur:

Haltiner, Karl W., Wenger, W., Szvircsev, T., Würmli, S. (2006) Sicherheit 2006: Aussen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitische Meinungsbildung im Trend. Forschungsstelle für Sicherheitspolitik der ETH Zürich und Militärakademie an der ETH Zürich.
Haltiner, Karl W. (2006) Die "Frau Hauptmann" stirbt aus. Civitas, 9/10, S. 6-10.

Haltiner, Karl W.(2005) Bürgerheer wohin? Alternative Wehrformen in der aktuellen politischen Diskussion. Bulletin 2005 zur schweizerischen Sicherheitspolitik. S. 23-44.

Mantovani, M. (1997) Milizarmee oder Freiwilligenarmee? Vor dem Wendepunkt der öffentlichen Diskussion.


Immigranten - auch die Schweiz braucht sie!

Kommentare:

198161912 hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Anonym hat gesagt…

Don't believe this claptrap. Migrants are no threat to us

by Philippe Legrain
Monday January 15, 2007, The Guardian


Immigration energises our economy, and has made many Britons more productive. We should welcome it. Fear of foreigners is nothing new, yet rarely has panic about immigration been so feverish. It tops voters' list of concerns, jangling raw nerves about jobs, public services, race and terrorism. The new bogeyman is a Muslim asylum seeker. (...).

(...) it is claptrap to blame migrants for overcrowded roads, trains and hospitals, which are largely the result of rising affluence and decades of underinvestment. On the contrary, were it not for foreign doctors and nurses, the NHS would collapse.

Britain's open door for eastern European workers is a huge success. It has proved to be a revolving door - and far from bringing Britain to its knees, temporary migrants fill vital gaps in the labour market. Mostly young and single, they pay taxes but cannot claim most benefits (6% claim child benefit), so they are not a drain on the state but a boon. Nor do they steal our jobs: the employment rate is virtually unchanged on a year ago, while average wages are up 3.8%. Unemployment has nudged up, but not because of migrants. Just as women entering the workforce did not cost men jobs, nor do foreigners: they create jobs as they spend their wages.

"Those parts of the country that are seeing job losses are not those where migrant workers are most prevalent," notes Brendan Barber, the TUC general secretary. "They will go where there are job vacancies, not dole queues" - even to the Scottish Highlands, where Poles are reviving communities that young Scots have fled. Precisely because they are more willing to move to where the jobs are, and to do dirty, difficult and dangerous work that young Britons shun, migrants have helped sustain Britain's longest-ever economic boom without sparking inflation.

Consider old-age care, the fastest-growing sector of employment. Young Britons eschew it. To persuade them otherwise would require a huge wage hike - and since public finances are strained, that implies either pensioners making do with less care, budget cuts elsewhere, or tax rises. But immigrants face a different set of alternatives: since wages in London are five times higher than in Warsaw, they are happy doing such work. This is not exploitation: it makes everyone - migrants, taxpayers, Britons young and old - better off. Where there is abuse, legal migrants have recourse to unions and the law. It is illegal migrants, victims of our callous but ineffective border controls, who are most at risk: remember the cockle pickers of Morecambe Bay.

Migrants from poor countries working in rich ones send home much more - $200bn a year officially, perhaps another $400bn informally - than the miserly $80bn western governments give in aid. These remittances go straight into local people's pockets, paying for food, clean water and medicines, enabling children to stay in school, and benefiting the local economy. Just as EU trade barriers that prevent African farmers selling the fruits of their labour in Britain are unfair, so are immigration controls that stop Africans selling their labour here.

Immigrants also make native workers more productive: nurses from the Philippines allow doctors to provide more patients with better care. They also add diversity and dynamism, stimulating innovation and enterprise, and thus economic growth: witness the buzz of a cosmopolitan city such as London.

Innovation most often comes from groups of talented people sparking off each other. If they have different perspectives they can solve problems better.

Look at Silicon Valley: Intel, Yahoo!, Google and eBay were all founded by migrants.

Undeniably, learning to live together can be tough. Yet closing our borders would not reduce the terrorist threat from a tiny home-grown minority, while anti-immigrant rhetoric fuels hatred towards existing ethnic minorities. While concern about entrenched segregation is understandable, the real issue is not multiculturalism, but social exclusion. Nobody is terrified of rich whites clustering in Chelsea.

As for shared values, society is broad enough to accommodate nuns and transsexuals, Marxists and libertarians, eco-warriors and city slickers - but we must all abide by parliamentary democracy constrained by fundamental principles such as freedom within the law, equality before the law and tolerance of differences. And while we fall well short of the lofty ideals of liberal democracy - discrimination is rife, tolerance limited - they are still the standards we aspire to and the basis of our peaceful coexistence.

Philippe Legrain is the author of Immigrants: Your Country Needs Them.
mail@philippelegrain.com

Anonym hat gesagt…

Ausländer in der Armee? Ja, warum nicht, als Coach, in beratender Rolle, in enger Zusammenarbeit, warum nicht? Wenn Sie aber jetzt bereits behaupten, der Staat könne von seinem Soldaten keine uneingeschränkte Loyalität mehr verlangen, frage ich mich, wie es im Ernstfall dann um die Loyalität von Ausländern steht. Ich glaube, Menschen identifizieren sich nicht mit Werten, sondern mit Heimat, Verwandtschaft, Landschaft und Tradition - für einen Ausländer, aufgewachsen hier in der Schweiz, bestimmt unser Land, aber für einen "eingewanderten Instruktor" wird das wohl sein Heimatland bleiben.