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Montag, 23. September 2013

Wehrpflicht: Das deutliche Ja verpflichtet

Von Beni Gafner, Basler Zeitung, 23.9.2013
 
Bürgerliche Sicherheitspolitiker, Bundesrat und Armeeführung dürfen sich vom klaren Abstimmungsresultat zur Beibehaltung der Wehrpflicht nicht blenden lassen. Wer bei oberflächlichem Jubel über eine «GSoA im Jammertal» verharrt, läuft Gefahr zu übersehen, was drei von vier Stimmbürger dieses Landes eigentlich wollen: Sicherheit auch in einer ausserordentlichen Lage durch eine funktionierende Milizarmee. Diese soll fähig sein, Grundprinzipien dieses Staates ebenso zu verteidigen wie dessen Bevölkerung und Infrastrukturen.
Die allgemeine Wehrpflicht bleibt dabei eine von mehreren Konstanten im schweizerischen Selbstverständnis für eine möglichst unabhängige Schweiz. Das Ja unterstreicht den Willen einer überwiegenden Mehrheit, Freiheit und Werte käme es zum Äussersten auch mit Gewalt zu verteidigen. Dass die stets unangenehme Gruppe für eine Schweiz ohne Armee wiederholt eine sicherheitspolitische Grundsatzfrage gestellt hat, ist gerade unter demokratiepolitischen und freiheitlichen Gesichtspunkten anzuerkennen. Inhaltlich ist der GSoA lediglich ein Hauptfehler anzulasten, der auch Ursache für den eher lauen Abstimmungskampf sein dürfte. Die GSoA legte ihrem jüngsten Vorschlag unausgesprochen ein Soldatenbild zugrunde, das dem Wesen der meisten Schweizer Bürgersoldaten nicht entspricht. Milizsoldaten sind hierzulande ganz im Gegensatz zu Angehörigen anderer Armeen keineswegs «unpolitische Gewaltspezialisten», die es aus pazifistischer Sicht politisch zu bekämpfen gilt. Der Schweizer Bürgersoldat, demokratisch geschult, lässt sich Kasernenhofgebrüll und menschenverachtende Einsatzbefehle nicht gefallen. Er ist hingegen bereit, Verantwortung zu übernehmen. Somit entspricht das gestrige Votum nur vordergründig einer Kanterniederlage für die GSoA. Es nimmt hintergründig aber Politik und Armeeführung in Pflicht, endlich jene Variablen ins Lot zubringen, die eine glaubwürdige Armee erst ausmachen.
beni.gafner@baz.ch

Donnerstag, 3. Februar 2011

Militärethik in der Schweizer Armee

Es lohnt sich, diese Dokumentation zu studieren. Sie beweist, dass sich die Militärkultur in der Schweizer Armee nun definitiv vom stupiden Appell und Adress verabschiedet hat und nun im Einklang mit dem humanistischen Menschen- und Weltbildes ist.

Montag, 6. Oktober 2008

Können Unternehmen von der US Army lernen?

Offene, hierarchiefreie Lernkultur mit Vorbildcharakter

von Dietrich von der Oelsnitz und Michael W. Busch
Univ.-Prof. Dr. Dietrich von der Oelsnitz ist Leiter des Instituts für Organisation und Personal an der Technischen Universität Braunschweig; Dr. rer. pol. Michael W. Busch ist wissenschaftlicher Assistent am selben Institut.

Lernen wird in Unternehmen durch hierarchische Schranken blockiert. Mit der After Action Review praktiziert die US Army einen weitgehend hierarchiefreien Erfahrungsaustausch. Die Autoren des folgenden Beitrages ergründen die Frage, ob sich diese Kultur der Teilung von Wissen allenfalls auch auf zivile Unternehmen übertragen liesse.


Auch wenn das Image der US Army durch den Irak-Krieg und den Folterskandal im Abu-Ghraib-Gefängnis nicht unbedingt gefördert wurde, kann sie dennoch in mancherlei Hinsicht ein Vorbild sein. Hinter ihr verbirgt sich nämlich nicht nur eine logistisch und technologisch bemerkenswerte Erscheinung. Es ist die offene, erstaunlich hierarchiefrei gelebte Lernkultur, die das amerikanische Heer zu einem interessanten Erkenntnisobjekt auch für Unternehmen macht. Die Rede ist von der After Action Review (AAR), einem seit dem Vietnam-Krieg praktizierten und konsequent weiterentwickelten Feedback-Instrument, das einsatzbegleitendes Lernen gezielt anregt. Noch während eines Kampfeinsatzes oder einer Übung erfolgen Nachbereitungen von Abläufen, deren Erkenntnisse dann unmittelbar in den darauffolgenden Handlungen umgesetzt werden.
Die Leitung einer AAR übernimmt ein Zug- oder ein Gruppenführer.
Dieser hat die Aufgabe, die Diskussion zu kanalisieren und für ausgewogene Redebeiträge der einzelnen Teilnehmer zu sorgen. Wichtig ist zweierlei: zum einen die zeitliche Nähe zum Geschehen, die gewährleistet, dass die Eindrücke der Beteiligten noch frisch und damit verwertbar sind, zum anderen die zeitlich straffe Durchführung, die ein Verheddern in Details verhindert.

Systematische Fragestellung

Unterstützend wirkt in diesem Zusammenhang die Struktur, denn in der AAR werden stets dieselben vier Fragen geklärt:
Was wollten wir erreichen (Sollzustand)? Was haben wir tatsächlich erreicht (Istzustand)? Warum haben wir es (nicht) erreicht (Abweichungsanalyse)? Was können wir daraus lernen, bzw. was können wir direkt im Anschluss besser machen (Aktionsplan-Erstellung)?
Der Schwerpunkt liegt auf dem letzten Schritt. Das heisst: Konstruktives, nach vorne gewandtes Lernen steht über dem endlosen Ergründen von Fehlern und Umständen. Es geht nicht darum, ein Geschehen im Massstab eins zu eins wiederzukäuen, sondern darum, möglichst rasch zum ursächlichen Kern eines Problems vorzustossen. Im Vordergrund müssen daher Schlüsselereignisse stehen, das heisst solche Ereignisse, die bei den Beteiligten besonders starke Emotionen hervorgerufen haben. Im Militärischen können dies eigene Verluste gewesen sein, im Bereich des Sports Spielabläufe, die ein gegnerisches Tor nach sich zogen, in Unternehmen schliesslich Ereignisse, die dazu führten, einen wichtigen Kunden verloren zu haben.

Hierbei ist allerdings der menschlichen Neigung, sich der intellektuellen Einfachheit halber ausschliesslich auf Fehler zu beschränken und Erfolge mit einem Schulterklopfen zu übergehen, entgegenzutreten. Gerade aus Erfolgen sollte gelernt werden, damit sich diese wiederholen und noch steigern lassen. (...)

Fort Monroe als Schlüsselstelle

(...) liefert in der US Army das 1973 gegründete Training and Doctrine Command (Tradoc) in Fort Monroe (Virginia) die Basis für den Transfer von Erfahrungen und die Entwicklung realitätsnaher Trainingseinheiten. In Verbindung mit dem Center for Army Lessons Learned werden «Best Practices», das heisst bewährte Verfahren und kampferprobte Verhaltensweisen aus einzelnen Truppenteilen, identifiziert und in die gesamte Armee gestreut («Knowledge Dissemination»). Hierzu ist es erforderlich, dass Informationen gefiltert, also von unnötigem Kontext-Ballast befreit werden («Knowledge Distillation»).

Eine reine Übertragung von Erfahrungen aus einem Bereich in den anderen garantiert keineswegs die erfolgreiche Wiederverwendung («Knowledge Reuse»), schliesslich weist jeder Bereich ihm eigene Besonderheiten auf. Aus spezifischen Erfahrungen der Truppe sind also zunächst allgemeinere Erkenntnisse abzuleiten, die erst dann wiederum mit den speziellen Anforderungen im Einsatz effektiv verknüpft werden können.

Es ist wichtig, dass ein Zentralbereich diese Aufgabe aktiv und in alleiniger Verantwortung übernimmt, da einzelne Truppenteile eigene Erfahrungen aus Zeitgründen selten selber weiterleiten und spiegelbildlich auch andere Truppenteile die Erfahrungen anderer zumeist nicht aus eigenem Antrieb nachfragen. Das Training and Doctrine Command und das Center for Army Lessons Learned sammeln daher nicht nur eingehende Informationen, sondern entsenden selbst Expertenteams in die Einsatzgebiete, um Informationen aus erster Hand zu erlangen und eigenständige Beobachtungen durchführen zu können. Aus dem Abgleich mit allen übrigen erfassten Informationen und im kontinuierlichen Austausch mit der operativen wie der steuernden Ebene werden dann entscheidungsrelevante Wissensbestände und verdichtete Erfahrungen (sogenannte Lessons Learned) herausgearbeitet.

So gesehen ist das Training and Doctrine Command nicht nur Ausbildungszentrum und Denkfabrik der US Army, sondern auch Schlüsselstelle im Knowledge Brokering der weltweit operierenden US-Militäreinheiten. Bildet also die AAR den Motor des Erfahrungslernens an der Basis, so sorgt das Kommando in Fort Monroe als Informationsmakler dafür, dass diese Erfahrungen nicht dort kleben bleiben. Wissensmanagement findet demzufolge im Taschen- wie im Grossformat statt. Der derzeitige Befehlshaber, General William S. Wallace, drückt diese Sichtweise folgendermassen aus: «Tradoc is an Army Command, but more important, it has an enterprise role to drive change across the Army.»

Der mitdenkende Soldat

Doch wie ist es der Armee trotz ihren klar erkennbaren und unangefochtenen Befehlswegen gelungen, eine Lernkultur zu entwickeln, in der die Hierarchie einen deutlich niedrigeren Stellenwert einnimmt als in Unternehmen? Zunächst ist die Bereitschaft, untereinander Wissen zu teilen, unter Bedingungen, in denen es um Leben und Tod geht, mit Sicherheit höher entwickelt. Der auf kollektiven Lernfortschritten und nicht auf persönlichen Schuldzuweisungen liegende Fokus der AAR verstärkt diese Bereitschaft. Darüber hinaus wird für gewöhnlich jedem einzelnen Soldaten Wertschätzung entgegengebracht, schliesslich kann noch der vermeintlich einfältigste Fusssoldat über Spezialwissen oder einzigartige Fertigkeiten verfügen, die zu kennen bzw. abzurufen in Kampfhandlungen für alle lebensrettend sein kann. Entsprechend sollte auch jeder Soldat an der AAR teilnehmen und Gehör finden. Dadurch ist nebenbei auch sichergestellt, dass alle innerhalb ihres Bereichs mit den notwendigen Informationen versorgt sind. Sollten Glieder innerhalb der Befehlskette während eines Einsatzes ausfallen, muss jederzeit ein Unteroffizier oder sogar ein Soldat befähigt sein, die Kette wieder zu schliessen, um die operativ-taktische Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.

Dies alles spiegelt eine veränderte Sicht auf den Soldaten wider:
An die Stelle des reinen Befehlsempfängers tritt die mitdenkende, hochtechnisierte Einsatzkraft.
(...)

Hemmnisse in zivilen Unternehmen

Spätestens hier scheint eine Übertragung auf Unternehmensebene nur sehr schwer vorstellbar. Die Amerikaner Thomas H. Davenport und Laurence Prusak raten Unternehmen sogar davon ab, die militärische Lernkultur zu übernehmen, wenn es ihnen nicht ebenso gelingt, Diskussionen ohne Vorwürfe und Beschuldigungen zu führen, Fehler offen einzugestehen und vor allem die Erkenntnisse aus AAR fein säuberlich von Karrierebeurteilungen zu trennen. In der Scheu, Fehler offen einzugestehen und hierarchisch Höhergestellte konstruktiv zu kritisieren, liegt denn auch das entscheidende Übertragungshemmnis. In Unternehmen kann die Hierarchie Lernen geradezu verhindern, indem sie eine Wagenburgmentalität unter den Mitarbeitern erzeugt. Es besteht die Gefahr, dass die AAR zu einer zahnlosen Pflichtaufgabe verkommt und nicht als lebendiges Instrument zum Austausch und Aufbau von Erfahrungen begriffen wird.

Genau hierin aber sieht der Management-Vordenker Peter Senge den wichtigsten Vorzug der AAR. Äusserst erhellend wirken in diesem Zusammenhang Erkenntnisse der beiden amerikanischen Forscher Michael W. Morris und Paul C. Moore, die nachträgliche Analysen von Beinahe-Unfällen in der Luft untersuchten und dabei erhebliche Unterschiede zwischen Privat- und Berufspiloten feststellten. Während die in eine Hierarchie eingebundenen Berufspiloten nach einfachen, zumeist auf äussere Umstände abhebenden Erklärungen suchten (z. B. schlechte Sichtverhältnisse, technische Probleme), waren die Erklärungen der Privatpiloten für die Beinahe-Unfälle wesentlich vielschichtiger und mit Selbstkritik verbunden, bezogen also auch stärker die eigene Person mit ein (z. B. mangelnde Aufmerksamkeit, Reaktionsstörungen).

Hier kommt der prinzipielle Unterschied zwischen Unternehmen und Armeen zum Vorschein. Während in Unternehmen das (berufliche) Schicksal in der Regel vom Urteil des eigenen Vorgesetzten abhängt, hängt es in der Armee in direkter Weise vom Zusammenwirken aller ab. Anders gesagt: Die einen fürchten um ihren Aufstieg oder ihren weiteren Verbleib, die anderen um ihr Leben. Gelingt es Unternehmen nicht, unter den Mitarbeitern die Bereitschaft und die Fähigkeit zu entwickeln, einander ehrlich und uneingeschränkt Feedback zu geben – und zwar ohne Angst vor der Position und den möglichen Sanktionen des Gegenübers –, so dürfte die wirksame Anwendung der AAR auch in Zukunft dem Militär vorbehalten bleiben. Den Unternehmen dürfte das schaden.



weiterführende Literatur:
Miles Kosmopolitis - Brevier für den kritisch urteilenden Soldaten

Freitag, 16. Mai 2008

MoD agrees public inquiry into death of Iraqi

by Richard Norton-Taylor, The Guardian, Thursday May 15


The Ministry of Defence bowed to pressure from the courts yesterday and agreed to an independent public inquiry into one of the most notorious episodes involving British troops in Iraq: the death of Baha Mousa, a hotel receptionist, in Basra in September 2003.

Victim died in British army custody with 93 injuries


After years of legal argument and a court martial in which the judge accused soldiers of erecting a "wall of silence", the MoD accepted that an independent inquiry was needed to find out why Mousa died in British custody with 93 separate injuries on his body and why eight other Iraqi civilians held with him were abused.

General Sir Richard Dannatt, the head of the army, welcomed the decision, saying he was determined to establish how the "disgraceful incident" occurred.

Des Browne, the defence secretary, who is believed to have personally pressed for an inquiry, told MPs he hoped it would reassure the public that "no stone has been left unturned".

Dannatt said: "Important questions have yet to be answered about how and why [Mousa's death] occurred."

He said the army would give the inquiry its "fullest cooperation". It had no wish to hide anything and he wanted to get "under the skin" of what happened. He said only a "small number of individuals" had let the army down.


But an inquiry must also find out whether the underlying cause of the incident had been a "systemic" failure in the army and in the way soldiers were trained, he added. The inquiry would examine why the soldiers involved, and other senior figures in the British army, were apparently unaware that five interrogation techniques - wall standing, hooding, subjection to noise, sleep deprivation, and deprivation of food and drink - were banned. They were prohibited in 1972 by Edward Heath, then prime minister, after the European human rights court condemned British security forces in Northern Ireland. Phil Shiner, lawyer for the Iraqis, said an inquiry must investigate other allegations of abuse by British soldiers, notably concerning the deaths and mistreatment of Iraqis in Abu Naji facility in May. But Bob Ainsworth, the armed forces minister, made it clear he wanted the inquiry's terms of reference, yet to be decided, to be as narrow as possible. "If they are drawn too widely, not sufficient weight will be given to the death [of Mousa] itself," he said. Ainsworth said the case had "nil" to do with the Human Rights Act. But the act demands that an independent public inquiry be set up in the wake of evidence of serious wrongdoing by agents of a state.

The MoD has admitted that British soldiers breached the act, specifically the principles enshrining the right to life and prohibition on torture.
(...)

At a court martial, six soldiers of the Queen's Lancashire Regiment, including Colonel Jorge Mendonca, the commanding officer, were acquitted of negligence and abuse over Mousa's death and the ill-treatment of the other Iraqis. A corporal admitted inhumane treatment. No one was convicted of killing Mousa.

Shiner, who also represents families of British soldiers killed in Iraq, said: "It will not be sufficient if the inquiry has a narrow remit and does not look at all the cases and issues. The public, as well as parliament, must be given the opportunity of fully understanding what went wrong in our detention policy in Iraq and what are the lessons to be learned for the future."

Shami Chakrabarti, director of the civil rights group Liberty, compared the potential impact of the inquiry to that into the death of Stephen Lawrence.

She said: "As the Stephen Lawrence inquiry was to the Metropolitan police so the Baha Mousa inquiry must be for the British military. It has been sparked by one case but they are going to have to look root and branch at how the British military treats people who are detained."

(...)

Timeline
September 15 2003 Baha Mousa, 26, is beaten to death in British custody

January 6 2004
MoD discloses it has paid compensation to Mousa's family

July 28 2004
Mousa's family issues legal challenge to government's decision not to hold independent inquiry

December 14 2004
High court rules in favour of full inquiry

June 13 2007
Law lords uphold ruling that UK human rights laws apply to Mousa, paving the way for a public inquiry

May 14 2008
MoD announces a full public inquiry into Mousa's death

weiterführende Literatur:
Armeeaufträge aus militärethischer Sicht
MILES KOSMOPOLITIS - Brevier für den kritisch urteilenden Soldaten

Freitag, 4. April 2008

Armeeaufträge aus militärethischer Sicht

von Baumann, Dieter in Military Power Revue, Nr. 1-2008, S. 19-30.

Armeeaufträge können unter anderem aus nationalistischer, machtpolitischer, idealistischer oder militärethischer Perspektive betrachtet werden. Je nach Sichtweise werden sie anders bestimmt und konkretisiert.

Der vorliegende Artikel nimmt eine militärethische Sichtweise ein. Dieser Ansatz geht von der grundsätzlichen menschlichen Gewaltfähigkeit in einem Umfeld begrenzter Ressourcen und zunehmender internationaler Abhängigkeiten aus und versucht zu defi- nieren, wann und wie die Androhung oder Anwendung von rechtsstaatlich-legitimer Gewalt widerrechtliche Gewalt rechts- und verhältnismässig verhindern oder beenden kann. Die zu Grunde liegende normative Leitperspektive ist ein auf den Menschen- rechten und dem (Völker-)Recht basierendes Sicherheits- und Friedenskonzept, das einen internationalen gerechten Frieden zum Ziel hat. Armeen werden in einem solchen Kontext als staatliche Institutionen der (inter-)nationalen Rechtserhaltung und Rechtsdurchsetzung verstanden. Dies hat einen Funktionswandel der Institution Armee zur Folge und entsprechende Konsequenzen für die daraus abgeleiteten Armeeaufträge.

Hier lang zum Paper: Armeeaufträge aus militärethischer Sicht

Weitere Links: MILES KOSMPOLITIS - Brevier für den kritisch urteilenden Soldaten

Freitag, 4. Januar 2008

Es geht um fundamentalste Fragen

von Urs Gehriger, in WELTWOCHE Nr. 1.08, S. 24-31 (Link)

Noch vor kurzem schien die amerikanische Mission im Irak epochal gescheitert. Seit einem halben Jahr jedoch gehen Gewalt und Terror markant zurück. Der Architekt der politisch-militärischen Wende, General David H. Petraeus, erklärt exklusiv in der Weltwoche warum.

(...)

Im Gespräch mit Soldaten im Feld sind mir zwei Dinge aufgefallen: Erstens sind sie deutlich optimistischer als noch vor einigen Monaten. Gleichzeitig ist eine gewisse Frustration zu spüren. Sie sagen: «Wir wurden für den Kampf ausgebildet, und jetzt machen wir vor allem Nation-Build-ing.» Ist das die künftige Rolle der US-Streitkräfte?

Unsere Armee hat den Bodentruppen mit Nachdruck eine neue Idee auferlegt, die wir «Full Spectrum»-Operationen nennen. Das heisst:
Alle Operationen bestehen aus einem Mix von Offensive, Defensive sowie Stabilisierungs- und Unterstützungsoperationen.
Dies ist ein grosser Bruch mit der Vergangenheit. Als Befehlshaber des Combined Arms Center in Fort Leavenworth, Kansas, war ich massgebend an der Ausarbeitung der neuen Doktrin beteiligt. Wir unterzogen die Kampfausbildungszentren und alle Offiziersausbildungskurse einer Generalüberholung. Wir nahmen die ersten Lektionen, die wir im Irak gelernt hatten, in die Revision auf. Ich denke, diese Doktrin enthält, worauf wir uns künftig einstellen müssen. Beispiel ist das Marine Corps, das bereits nach der Idee eines Drei-Block-Kriegs funktioniert: Kämpfen – Stabilisieren – Aufbauen.
Es folgt der Idee, dass dieselben Truppen, die grössere Kampfoperationen durchgeführt haben, auch die Stabilisierungs- und Wiederaufbauoperationen durchführen.
Nation-Building ist also Teil des Pakets, das wir künftig zu leisten haben. Nation-Building ist etwas, was wir künftig noch viel öfter werden tun müssen.


Sie haben das Training und die Ausbildung der Armee-Offiziere in Fort Leavenworth geleitet. Zudem waren Sie federführend am Handbuch für die neue Anti-Guerilla-Strategie beteiligt. Wollen Sie die US-Armee einer kulturellen Revolution zu unterziehen?

Zuerst möchte ich festhalten, dass es beim Ganzen nicht um eine einzelne Person geht. Der Generalstabschef der Armee hat mich mit der Aufgabe beauftragt.
In der Tat ist ein grosser Kulturwandel im Gang.
Wir pflegten einst zu sagen: «Wenn du die ‹grossen Dinge› tun kannst, die grossen kombinierten Kampfoperationen mit High-Tech-Waffen, dann schaffst du auch die ‹kleinen Dinge›.» Dies hat sich als falsch erwiesen.
Als ich Ende 2005 aus dem Irak nach Fort Leavenworth kam, wusste jeder, vom Generalstabschef bis hinunter zum simplen Offizier, dass wir als Armee substanzielle Änderungen vornehmen müssen. Mein Vorgänger in Leavenworth, General William Wallace, hat den Terminus «Maschine des Wandels» für die gesamte Organisation geprägt. Auf allen Stufen arbeiten wir mit neuen Doktrinen, neuen Konzepten, die auch die Ausbildung unserer Offiziere neu definieren und schliesslich auch das Training unserer Truppen beeinflussen. All dies musste angepasst werden angesichts der Lektionen, die wir während der Operationen in letzten Jahrzehnten gelernt hatten.


Welche Lektionen?

Wir haben aus dem Irak viele Erfahrungen nach Hause gebracht, aber auch aus Zentralamerika und bis zu gewissen Teilen aus Orten wie Haiti, Bosnien und Kosovo. Es geht in erster Linie um ein gewachsenes Bewusstsein für den gewaltigen Einfluss von kulturellen, religiösen und ethnischen Faktoren.
Die Kenntnis des sogenannten «kulturellen Terrains» ist in vielen Fällen genauso wichtig wie die Kenntnis des «physischen Terrains».
Wir mussten uns diesen neuen Herausforderungen stellen, wenn wir Kriege gewinnen wollen.

(...)

weiterführende Literatur:
MILES KOSMOPOLITIS
MILES KOSMOPOLITIS - 8 Thesen
MILES KOSMOPOLITIS- Zwei Chancen
Lehrübung 'RAUMSICHERUNG' des Ausbildungszentrums Heer (AZH)

Link: sevenload.com

Montag, 24. Dezember 2007

Massstäbe der Führungsauslese

Festakt aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Führungsakademie der Bundeswehr am 14. September 2007 in Hamburg

von Horst Köhler, Bundespräsident
in Europäische Sicherheit, Nr 11 / 2007, S. 8-12


(...)

Der militärische Führer und vor allem der Stabsoffizier braucht mehr als rein militärisches Können. Er braucht eine breite Allgemeinbildung, fundierte politische Kenntnisse und wissenschaftlichen Geist. Diese Überzeugung ist mindestens 200 Jahre alt und mindestens ebenso lange wird ihr widersprochen. Es gibt eben immer hart gesottene Troupiers, die können sich gebildete und politisch kundige Offiziere nur als "gedankenschwer und tatenarm" vorstellen. (...)

Heutzutage wenigstens sollte auch dem letzten klar sein: Der im Sinne der Führungsakademie gebildete Offizier, der über seine Bildung eben nicht seine militärische Entschlossenheit verliert, ist im Zweifel der bessere Soldat, weil er sich besser in der Welt orientieren kann, weil er offener für neue Eindrücke ist und selbständig weiterlernt, weil sein Urteil freier, proportionierter und abgewogener ist, weil er historisches Bewusstsein und also Respekt vor fremden Kulturen hat, weil er artikulierter ist, weil er mehr Empathie aufbringt, ohne sich von ihr lähmen zu lassen, und weil er unduldsamer gegen Unrecht und Gemeinheit wird. (...)

...politisches Urteilsvermögen und diplomatisches Fingerspitzengefühl, interkulturelle Kompetenz und Sprachkenntnisse, tatenfrohen Mut und die Fähigkeit zur operativen Vernetzung mit den Verbündeten, Kämpfertum und die gewissenhafteste Bemühung, Unschuldige zu schützen und zu schonen. Gerade die Synthese dieser Qualitäten verspricht erfolgreich zu sein. Gewiss, im Zentrum bleibt immer die Fähigkeit, das Feuer an den Feind zu bringen und ihm notfalls unseren Willen mit Gewalt zu diktieren.

(...)

Es kommt in den Einsätzen der Bundeswehr immer mehr und immer entscheidender auf jeden einzelnen Bürger in Uniform an. ... Da operieren kleine Einheiten weitgehend auf sich gestellt in einem Umfeld, in dem der Gegner nur schwer auszumachen ist und die Zivilbevölkerung als Deckung benutzt. Zugleich herrschen die Regeln eines Medienzeitalters, in dem schon eine einzige Fehlentscheidung entsprechende Bilder und weltweite politische Erschütterungen auslösen kann. Unter solchen Bedingungen müssen schon Patrouillenführer unter Ungewissheit und Zeitdruck Entscheidungen von grosser Tragweite treffen, und angesichts der möglichen und nötigen kurzen Reaktionszeiten trifft erst recht die Offiziere eine immense Verantwortung, für die eigenen Leute und für den politischen Gesamtzusammenhang des jeweiligen Einsatzes. Die Bundeswehr ist darauf gut vorbereitet: durch ihre Tradition der Auftragstaktik; durch Soldatinnen und Soldaten, die als Bürger in Uniform das Mitdenken nicht lernen mussten, sondern niemals aberzogen bekamen und darum auch ein besonders gutes Verständnis für die politischen und kulturellen Zusammenhänge am Einsatzort entwickeln; und durch Stabsoffiziere, die das Militärische in seine Zusammenhänge einzuordnen wissen und auch darum ihre Untergebenen überzeugend und erfolreich führen können.

Weiterführerende Literatur:
Miles Kosmopolitis: Brevier für den kritisch urteilenden Soldaten
http://cmva-abegglen.blogspot.com/2007/01/miles-kosmopolitis-zwei-chancen.html
http://cmva-abegglen.blogspot.com/2007/01/8-thesen-zum-miles-kosmopolitis.html

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Die Macht der Intuition wird unterschätzt

von Guido Kalberer, Engelberg im Tages-Anzeiger, Di, 04.12.2007, S. 45
"Bei der Intuition handlet es sich um eine unbewusste Form von Intelligenz"
(Gerd Gigerenzer, Psychologe, Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung)

(...)

Unter Intuition versteht Gigerenzer alles andere als Esoterik oder irrationale Gefühle, die unmotiviert aus dem Unbewussten auftauchen. Vielmehr sieht er darin eine unbewusste Form von Intelligenz. Inuitives Handeln meint automatisierte Abläufe, die auf Vernunft beruhen und über lange Zeit erlernt wurden. Sie stehen nach Gigerenzer nicht im Gegensatz zum Logos, sondern übernehmen immer dann ihren entscheidenden Part, wenn die Dinge so klar und eindeutig sind, dass sie keiner reiflichen Überlegung mehr bedürfen.
"Die Weisheit der Gefühle hat viel mit Wissen und nichts mit Metaphysik zu tun. Verstand und Intuition können Hand in Hand gehen"
(Gerald Traufetter)

(...)

Manipulierbare Emotionen
Wer sich mit Inuition beschäftige, habe es immer wieder mit Emotionen zu tun, die massiv manipuliert würden; und in dieser Hinsicht seien zahlreiche Medien alles anderer als aufklärische, der Vernunft und der Wahrheit verpflichtete Instanzen.
(...)

Dienstag, 4. Dezember 2007

Moral Forces in War

Kleemeier, Ulrike (2007), 'Moral Forces in War', in Hew Strachan, Andreas Herberg-Rothe, eds., Clausewitz in the Twenty-First Century (Oxford: University Press), S. 107-121.

(...)

Clausewitz today: Modern times and moral forces
Clausewitz outlines an image of the soldier which is highly individualistic, holistic, and deeply attached to the emotional realm of the human mind. Does all this mean anything to us today, and if so what exactly?
(...)

Clausewitzian vitues [1) coup d'oeil: 'intuition' is the word which best captures this power of judgement. We use exactly this term to signify mental acts which happen rapidly, are spontaneous, initmately connected with emotional life, and possess synthesizing power. Of course, this does not mean that intuition cannot be based on experience. Presumably the oppsoite is the case. 2) Bravery or courage: Much more valuable than indifference to danger is boldness (Kühnheit), a form of courage induced by positive motivations. ... Boldness enables a person not just to endure danger but to master and overcome it through acting. All of this demonstrates the mew model of a soldier who acts and thinks as an individual. 3) Self-control: Self-control itself is founded on a feeling of a special kind. It results from the intense mental need to act as somebody who is not just driven by something but instead drives things forward. The source of self-control is nothing other than a particular from of striving for Menschenwürde or human dignity. But this need is of course itself an emotion, a passion in this case, and not a product of the faculty of intellect. ... If you want to control the very strong feelings which are inevitable in war, you can do so only by powers which are themselves located within the emotional realm.] become very relevant when Western forces are involved in this kind of constellation [armed conflicts without clear fronts, wars which are not fought with collective weapons like tanks and rockets, but with Kalashnikovs, knives, machetes and rape, wars where limits between combatants and non-combatants are almost completely dissolved, wars which often seem to be completely irrational and without any political motives, wars with a great deal of primitive violence, but without battles]. With all their inherent individualism, they are in a way even better designed for 'small' warfare than 'big' warfare. People are needed who possess coup d'oeil in situations even more confusing than traditional warfare, and also people who are able to cope and survive without receicing any orders for a long time. On the other hand, you do not of course need people who are likely to assimilate with those criminals or half-criminals they are expected to fight. What is required is a type of soldier deeply committed to Western values and at the same time able to find his say in a kind of warfare dominated not so much by esprit de corps as by a mixture of economic interests and seemingly irrational factors.
...the type of soldier Clausewitz presents to us does not have a subordinate mind. He is characterized by a vivid, independent, and wilful spirit.

Sonntag, 11. November 2007

Soldat im Zeitalter der Globalisierung

von Wolfgang Schneiderhan (2007), Europäische Sicherheit, Nr. 2, S. 14-20.

(...)

Globalisierung und soldatisches Berufsbild

Die Begründung des soldatischen Dienens ist unter diesen Umständen komplexer und schwieriger geworden als zu Zeiten des Kalten Krieges. Die Übergänge vom unbeteiligten Zivilisten zum Widerstandskämpfer, Terroristen oder simplen Kriminellen vollziehen sich heute fliessend. Je rascher und geschmeidiger sie erfolgen können, umso höher müssen unsere Anforderungen an die Flexibilität, an die Bildung und an die Fähigkeiten unserer Soldatinnen und Soldaten sein.

Wir benötigen eine intensive und ersthafte Auseinandersetzung mit dem modernen Berufsbild des Soldaten, seinem künftigen Anforderungensprofil und den damit einhergehenden Risiken. Dazu müssen wir uns darüber Klarheit verschaffen und anerkennen, dass sich die Anforderungen an den Soldaten und militärischen Führer gravierend gewandelt und erweitert haben.
Die Anforderungen, die wir an die allgemeine soldatische Kompetenz stellen, erhöhen sich durch das veränderte Aufgabenfeld sowohl militärisch handwerklich und intellektuell als auch in der Frage des Selbstverständnisses. Der archaische Kämpfertypus kann diesen hohen Ansprüchen nicht genügen, beziehungsweise erfüllt nur noch einen Teil der geforderten Fähigkeiten.
Heute reicht das soldatische Berufsbild von zivilen, präventiven, manchmal polizeiähnlichen Aufgaben bis hin zum klassischen Kriegseinsatz. Letzterer wird voraussichtlich immer seltener erfolgen, bleibt aber Kernkompetenz jeder soldatischen Existenz.

Im Kampf gegen den weltweiten Terror ist ein Einsatz, in dem sich die unterschiedlichen Aspekte soldatischen Aufgabenprofils wechselseitig durchdringen, rasch miteinander abwechseln und sogar parallel auftreten, heute die wahrscheinlichste Form. Wir finden sie besonders ausgeprägt bei den Stabilisierungseinsätzen, die - anders als im alten Kriegsbild vorgesehen - häufig in völlig unterschiedlichen Kulturkreisen erfolgen.
Dafür benötigen wir charakterstarke und in der Urteilungskraft gefestigte Persönlichkeiten mit emotionaler und moralischer Stabilität, die auch in Krisensituationen unter hohem psychischen und physischen Druck bestehen können. Politsche, soziale, ethische und moralische Urteilsfähigkeit sowie interkulturelle Kompetenz werden zunehmend bedeutsam und müssen heute wie zukünftig in Ausbildung und Bildung einfliessen.


Die Bundeswehr benötigt engagiertes Führungspersonal mit hoher sozialer Kompetenz. Es muss zum ganzheitlichen Denken befähigt, kommunikativ und gleichermassen konflikt- wie konsensfähig sein. Wir brauchen flexible militärische Führer, die lernwillig und lernfähig sind und auf deren raschen Urteilsfähigkeit wir uns verlassen können. Vor allem aber müssen sie in erster Linie nach wie vor körperlich wie mental belastbar sein.
Die Asymmetrie der Kriegsführung verlangt vom militärischen Führer heute schon auf relativ niedriger Ebene ein sicheres Urteilsvermögen, um die Lage in völlig unübersichtlichen Situationen richtig erfassen und beruteilen zu können und unter Druck - Stress - sicher entscheiden zu können.
Dies ist ein komplexer Anspruch. Hier muss im Einklang mit dem Prinzip der Auftragstaktik Verantwortung für Entscheidungen übernommen werden, die unter Umständen später in der Heimat unter Berücksichtigung möglicher politscher Implikationen und unter grosser Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit diskutiert werden.

(...)

ergänzende Literatur:
MILES KOSMOPOLITIS: Brevier für den kritisch urteilenden Soldaten

Murder trial sniper says US used 'bait' for suspect Iraqis

by David Smith in Baghdad
Sunday November 11, 2007
The Observer

A trial opening in Baghdad today will shed new light on a secret Pentagon programme in which US snipers allegedly planted fake weapons as 'bait' to lure their Iraqi enemies to their deaths.


Sergeant Evan Vela is accused of murdering an unarmed Iraqi man and an attempted cover-up. He has admitted that he fired two bullets at point-blank range into a detainee's head but said he was following a direct order.

His court martial comes after those of two fellow snipers in an embarrassing saga which has blown the cover of an alleged classified 'baiting' programme in which snipers scatter ammunition, detonation cords or other items, then lie in wait to shoot insurgents who pick them up.

The tactic emerged earlier this year when Captain Matthew Didier, a platoon commander in an elite sniper unit known as the 'Painted Demons', told a military court:
'Baiting is putting an object out there that we know they will use, with the intention of destroying the enemy.
'Basically, we would put an item out there and watch it. If someone found the item, picked it up and attempted to leave with the item, we would engage the individual as I saw this as a sign they would use the item against US forces.'


Didier claimed that members of the US military's Asymmetric Warfare Group visited his unit in January and later supplied ammunition boxes filled with 'drop items' to be deployed as bait. Soldiers told the Washington Post that about a dozen platoon members were aware of the programme, and that others knew about the 'drop items' but did not know their purpose. Vela, team leader Michael Hensley and Jorge Sandoval were members of the 'Painted Demons', which had a reputation for notching 'kills' at a high rate in the so-called 'triangle of death' south of Baghdad. They were charged with the murders of three Iraqis during US operations in the spring.

Last week Hensley, an expert marksman from the 1st Battalion, 501st Airborne, was cleared of murder charges but reprimanded and demoted on lesser charges of planting an AK-47 rifle beside the body of a dead Iraqi and disrespecting an officer.

Last month Sandoval was found not guilty on two murder charges but was demoted from specialist to private and is serving a 44-day sentence for planting a detonation cord on the body of an Iraqi.

Vela is charged with premeditated murder, planting a weapon, making false statements and obstruction of justice. The first pre-trial hearing is today.

Lawyers for the snipers have argued that the baiting programme is relevant to their defence because it shows how officials backed unorthodox methods of killing not only insurgents but also unarmed men thought to be enemy combatants.

James Culp, Vela's attorney, has said:
'I don't know how far up the chain this baiting programme goes right now. I know the government is trying to dummy this down to the lowest level possible.'


He added:
'Our government is asking soldiers and Marines to make morally bruising decisions under the most horrific conditions imaginable. When the government doesn't like the results, they isolate and vilify the soldier while hiding behind security clearances, classifications and unreasonable expectations.'


(...)

US military officers in Baghdad deny the existence of a baiting programme. The court barred most classified material from Hensley's court martial.

Montag, 5. November 2007

Nachwuchssorgen bei der Schweizer Armee bis 2019 fehlt Personal für 20 Bataillone

Bern (sda) Die Schweizer Armee kann bis 2019 rund 20 Bataillone personell nicht mehr besetzen. Die VBS-Planer machen sich deshalb jetzt schon Gedanken, den Sollbestand weiter nach unten anzupassen.

Die demografische Entwicklung zeige, dass die heutigen Strukturen in rund 12 Jahren nicht mehr mit genügend Dienstpflichtigen alimentiert werden könnten, sagte Armeesprecher Felix Endrich zu einem Bericht der «SonntagsZeitung».

Entsprechende Überlegungen zu dieser Entwicklung veröffentlichte VBS-Chefplaner Jakob Baumann in der Mitarbeiterzeitschrift «Intra». Noch steht allerdings nicht fest, um wieviele Mann die Armee reduziert werden soll. Dies sei ein politischer Entscheid, der in der kommenden Legislatur gefällt werden müsse, sagte Endrich.

Der Bestand der Schweizer Armee ist in den letzten Jahren mehrmals reduziert worden, zuletzt im Rahmen der Armeereform XXI und des Entwicklungsschritts 2008/2011.

(SDA-ATS\/tm bm/c5swi mil) agen.sdad.inland /

Kommentar:
Die Reduktion der Armee soll unter diesem Parameter ein politischer Entscheid sein? In dieser Optik der vorgefassten Meinung ist dieser Entscheid wohl demographisch vorgegeben und wird fatalistisch hingenommen! Vielmehr ist dieses politische Nichthandeln der Wegweiser für strategische Torheit.

Miles Kosmpolitis - zwei Chancen! eröffnet eine Alternative...

Freitag, 26. Oktober 2007

Brains, not bullets

Oct 25th 2007
From The Economist print edition (October 27th 2007 p. 16)


Western armies are good at destroying things. Can they be made better at building them?

Another debate to do with Iraq and Afghanistan is building in America, one that could have important consequences for the West. This debate is being conducted in the Pentagon—and it has to do with the future shape of America's armed forces. With its far-flung alliances and commitments, the superpower rightly wants a “full spectrum” of military capabilities to deal with everything from an all-out war to a small policing action. But precisely what the mix should be is increasingly contentious—and could prove expensive.

If the biggest threat comes from rising powers, such as a belligerent Russia or a pushy China, America and its allies will need to invest in aircraft, ships and advanced weapons to cope. If the greatest challenge is the fight against militants and insurgents around the world—seen by some as a new and different “fourth generation” of warfare (see article)—then they will need more boots on the ground and, crucially, different sorts of soldiers wearing them. Sadly for taxpayers everywhere, the emerging answer from America is that a modern power needs to prepare for both challenges. But there has been a clear swing towards manpower from technology.

The troops, they are a changin'
The change has been striking. The “transformation” advocated by Donald Rumsfeld, George Bush's first defence secretary, envisaged that the armed forces would be slimmed down and money invested in “smart” weapons, reconnaissance systems and data links. Speed, stealth, accuracy and networks would substitute for massed forces. The army's idea of its “future warrior” was a kind of cyborg, helmet stuffed with electronic wizardry and a computer display on his visor, all wirelessly linked to sensors, weapons and comrades. New clothing would have in-built heating and cooling. Information on the soldier's physical condition would be beamed to medics, and an artificial “exoskeleton” (a sort of personal brace) would strengthen his limbs.

The initial success in toppling first the Taliban in Afghanistan and then Saddam Hussein in Iraq seemed to vindicate such concepts. But the murderous chaos in Iraq, and the growing violence in southern Afghanistan, have shown that America is good at destroying targets, and bad at rebuilding states.
Firepower is of little use, and often counter-productive, when the enemy deliberately mingles among civilians.


Robert Gates, Mr Rumsfeld's successor, is thus presiding over something of a counter-revolution. Technological tricks are not being abandoned. But the army is to get a bigger share of the defence budget and has been told to recruit more soldiers with it. Precisely because America is so powerful against conventional armies, Mr Gates expects its enemies to rely on asymmetric warfare. In other words, America must expect to fight protracted, enervating counter-insurgency wars that offer no clear-cut victories and risk the prospect of humiliation.

A new manual on counter-insurgency co-authored by the man now in charge of the war in Iraq, General David Petraeus, overturns the notion that America doesn't “do nation-building”. Counter-insurgency, it says, is “armed social work”. It requires
more brain than brawn, more patience than aggression. The model soldier should be less science-fiction Terminator and more intellectual for “the graduate level of war”, preferably a linguist, with a sense of history and anthropology.


The indirect approach
In general, the shift from technology to manpower is welcome. Some sceptics will argue that America's first future priority should be to avoid smallish wars of choice altogether. Even if that were sensible, history suggests it is unlikely to happen: American troops have kept on getting involved in foreign conflicts. The military planners' job is to cope with the likely, not to restrict democratically elected politicians' options.

From that perspective, two doubts come to the fore. The first is whether the Pentagon is right to focus so heavily on creating more combat brigades. With American units serving 15 months in the field and a year at home at best, the army understandably wants more front-line soldiers to ease the strain. But large armies have often found it extremely hard to fight guerrillas in far-away places—ask the French in Algeria, the Russians in Afghanistan and, not least, the Americans themselves in Vietnam. With the possible exception of the British in Malaya, it is hard to think of many insurgencies in modern times that have been crushed by a Western occupying power.

Post-colonial politics, stronger concerns for human rights, the rapid dispersal of news: all these (good) things make today's conflicts even harder to win for occupiers. So it may well be better to step back and work through local allies. Few insurgencies have unseated existing governments. In the “war on terror” most of the important al-Qaeda suspects have been rounded up for America by local allies. Strengthening local forces is the best way of salvaging Iraq and Afghanistan, and may help avoid the need for future interventions.

To be fair, the Pentagon talks about building “partner capacity”, but it may need more radical steps—in particular creating new specialist units to train allies, embed Western soldiers in local forces to improve their performance and be able to call in airstrikes, and help organise civil reconstruction. Generals complain about splitting the army, but they already oversee a myriad of specialist units. It is at least worth trying.

The other lingering concern with the shift in focus from destruction to construction has to do with skimping on conventional weaponry. At the margin, it is certainly worth putting more money into manpower at the expense of some futuristic projects. The prospect of an all-out war with Russia or China is distant for now; the risk of losing in Iraq and Afghanistan is acute. But raiding other defence programmes can only go so far. At 4% of GDP, America's defence spending is low by historical standards: it was 9% during the Vietnam war and 14% during the Korean war. The problem is worse in Europe: many of America's allies spend less than the 2% minimum target set by NATO.
If the West wants to build a smarter army of the future, it will have to pay for it.


ergänzende Literatur:
Strategisches Denken
Gewalt unterhalb der Kriegsschwelle
Miles Kosmopolitis - Brevier für den kritisch urteilenden Soldaten

Samstag, 23. Juni 2007

Moderne Führungssysteme - kein Ersatz für gut ausgebildete Soldaten

Gespräch mit Generalleutnant James D. Thurman, Befehlshaber des V. Korps der US Army

von Bruno Lezzi (2007), NZZ, Nr. 141, S. 17.
(...)

Generalleutnant Thurman räumt (...) ein, dass gerade beim Kampf in überbautem Gebiet die Verifikation von auf dem Bildschirmen vorliegenden Informationen durch menschliche Nachrichtenquellen unerlässlich sei; denn improvisierte Sprengkörper und Autobomben liessen sich kaum aus der Luft ausfindig machen. Nicht das System, das nur nach intensivstem Training beherrschen werden könne, sondern der Truppenführer mit seinen Erfahrungen, vor allem aber auch mit seiner taktischen Intuition und seinem Sinn für die Festlegung nachrichtendienstlicher Prioritäten bestimme das Geschenen. Nur so gelinge es, die Informationsfülle nach klaren Kriterien zu triagieren, zu bewerten und zu nutzen. (...)

Wer aber glaube, Systeme für die vernetzte Operationsführung ersetzten den gut ausgebildeten Soldaten, gebe sich Illusionen hin. Denn der Kampf werde nicht durch Computer entschieden. Die klassischen Prinzipien der Gefechtsführung (...) behielten ihre ungebrochene Bedeutung.

Als besonders hilfsreich bezeichnetet der General die Möglichkeit zur Kommunikation und Kooperation. So habe er sich mit seinem damaligen Kopskommandanten im Irak, Generalleutnant Peter W. Chiarelli, vor dem Hintergrund des gemeinsamen Lagebildes laufend über Video austauschen können. (...) So war die rasche Anpassung von Abschnittsgrenzen zwischen den Verbänden (...) in gegenseitiger Absprache [taktischer Dialog] problemlos zu bewältigen, wenn beispielsweise Kräfteverlagerungen nötig wurden.

(...) geäusserte Befürchtungen (...) militärisches Mikromanagement zu betreiben, wollte Thurman nicht zum Vorneherein als unberechtigt von der Hand weisen. Militätische Chefs, die solcher Versuchung erlägen, handelten aber falsch. Trotz schnellem Informationsfluss sollten Generäle sich in Geduld üben und ihren militärischen Untergebenen Vertrauen entgegenbringen, denn militärische Operationen brauchten Zeit.
Die unterstellten Verbände müssten einen breiten Handlungsspielraum haben, um aufgrund einer klar formulieren Absicht für die Operatsführung situationsgerecht agieren zu können.

(...)

Als früherer Kommandierender General des National Training Center (...) unterstrich Thurman im Weiteren die ungebrochene Bedeutung des Kampfpanzers im modernen Gefecht, auch in Agglomerationen. Mehr als früher seien Panzer, die voll ins Netzwerk von Aufklärungs- und Führungsmitteln integriert seien, jedoch im Zusammenspiel mit anderen Truppengattungen zu sehen. Zudem komme der Mischung zwischen schweren und leichten Verbanden im Rahmen von Task-Forces vermehrte Bedeutung zu. (...)

Die vernetzte Operationsführung bringe nach seiner Ansicht nicht neue taktische Verfahren mit sich. Deren Wert liege vielmehr darin, bewährte Taktiken schneller und präziser anwenden zu können und damit einem Gegner zuvorzukommen [Erhöhung des operationellen Tempos].

Obschon sich der General vom Nutzen moderner Netzwerke für Aufklärung und Führung überzeugt gab, warnt er davor, die menschliche Dimension zu vernachlässigen. Das Team und nicht das Individuum stehe im Zentrum.

(...)

weiterführende Literatur:
Information Warfare - Ein strategisches Mittel der Zukunft. Darstellung der Mittel, Möglichkeiten und Einsatzarten

Sonntag, 29. April 2007

General says marines saw Iraqi deaths as routine

by Josh White, Washington Post, in Guardian Weekly April 27 - May 3, 2007, p.6.

The Marine Corps chain of command in Iraq ignored "obvious" signs of "serious misconduct" in the 2005 killings of two dozen civilians in Haditha, and commanders fostered a climate that devalued the life of innocent Iraqis to the point that their deaths were considered an insignificant part of the war, according to an amry general's investigation.

Major-General Eldon Bargewell's report on Haditha is scathing in its criticism of the marines' actions after a roadside bomb, from the enlisted men involved in the shootings on November 19, 2005, to the two-star general who commanded the 2nd Marine Division in Iraq at the time.
The previously undisclosed report, obtained by The Washington Post, found that officers may have willfully ignored reports of the civilian deaths to protext themselves and their units from blame. Although Gen Bargewell found no specific cover-up, he concluded there was no interest in investigating allegations of a massacre.

"All levels of command tended to view civilian casualties, even in significant numbers, as routine and as the natural and intended result of insurgent tactics,"
Gen Bargwell wrote. He condemned that approach because it could desensitise marines to the welfare of non-combatants.
"Statements made by the chain of command during interviews for this investigation, taken as a whole, suggest that Iraqi civilian lives are not as important as US lives, their deaths are just the cost of doing business, and that the marines need to get 'the job done' no matter what it takes."


The sharp criticism of the marine command appears to have been a contributing factor in recent efforts by top-rank leaders to ensure that US troops exercise restraint around civilians. Lieutenant-General Peter Chiarelli, the top field commander in Iraq last year, and General David Petraeus, the top US commander there now, have emphasised the importance of protecting civilians in counter-insurgency operations and have ordered aggressive investigations of alleged wrongdoing.


weiterführende Literatur:
- Bilder des Krieges
- Miles Kosmopolitis - Brevier für den kritisch urteilenden Soldaten

Montag, 23. April 2007

Immigranten - auch die Schweiz braucht sie!

Don't believe this claptrap. Migrants are no threat to us

by Philippe Legrain
Monday January 15, 2007, The Guardian



Immigration energises our economy, and has made many Britons more productive. We should welcome it. Fear of foreigners is nothing new, yet rarely has panic about immigration been so feverish. It tops voters' list of concerns, jangling raw nerves about jobs, public services, race and terrorism. The new bogeyman is a Muslim asylum seeker. (...).

(...) it is claptrap to blame migrants for overcrowded roads, trains and hospitals, which are largely the result of rising affluence and decades of underinvestment. On the contrary, were it not for foreign doctors and nurses, the NHS would collapse.

Britain's open door for eastern European workers is a huge success. It has proved to be a revolving door - and far from bringing Britain to its knees, temporary migrants fill vital gaps in the labour market. Mostly young and single, they pay taxes but cannot claim most benefits (6% claim child benefit), so they are not a drain on the state but a boon. Nor do they steal our jobs: the employment rate is virtually unchanged on a year ago, while average wages are up 3.8%. Unemployment has nudged up, but not because of migrants. Just as women entering the workforce did not cost men jobs, nor do foreigners: they create jobs as they spend their wages.

"Those parts of the country that are seeing job losses are not those where migrant workers are most prevalent," notes Brendan Barber, the TUC general secretary. "They will go where there are job vacancies, not dole queues" - even to the Scottish Highlands, where Poles are reviving communities that young Scots have fled. Precisely because they are more willing to move to where the jobs are, and to do dirty, difficult and dangerous work that young Britons shun, migrants have helped sustain Britain's longest-ever economic boom without sparking inflation.

Consider old-age care, the fastest-growing sector of employment. Young Britons eschew it. To persuade them otherwise would require a huge wage hike - and since public finances are strained, that implies either pensioners making do with less care, budget cuts elsewhere, or tax rises. But immigrants face a different set of alternatives: since wages in London are five times higher than in Warsaw, they are happy doing such work. This is not exploitation: it makes everyone - migrants, taxpayers, Britons young and old - better off. Where there is abuse, legal migrants have recourse to unions and the law. It is illegal migrants, victims of our callous but ineffective border controls, who are most at risk: remember the cockle pickers of Morecambe Bay.


Migrants from poor countries working in rich ones send home much more - $200bn a year officially, perhaps another $400bn informally - than the miserly $80bn western governments give in aid. These remittances go straight into local people's pockets, paying for food, clean water and medicines, enabling children to stay in school, and benefiting the local economy. Just as EU trade barriers that prevent African farmers selling the fruits of their labour in Britain are unfair, so are immigration controls that stop Africans selling their labour here.

Immigrants also make native workers more productive: nurses from the Philippines allow doctors to provide more patients with better care. They also add diversity and dynamism, stimulating innovation and enterprise, and thus economic growth: witness the buzz of a cosmopolitan city such as London.

Innovation most often comes from groups of talented people sparking off each other. If they have different perspectives they can solve problems better. Look at Silicon Valley: Intel, Yahoo!, Google and eBay were all founded by migrants.

Undeniably, learning to live together can be tough. Yet closing our borders would not reduce the terrorist threat from a tiny home-grown minority, while anti-immigrant rhetoric fuels hatred towards existing ethnic minorities. While concern about entrenched segregation is understandable, the real issue is not multiculturalism, but social exclusion. Nobody is terrified of rich whites clustering in Chelsea.


As for shared values, society is broad enough to accommodate nuns and transsexuals, Marxists and libertarians, eco-warriors and city slickers - but we must all abide by parliamentary democracy constrained by fundamental principles such as freedom within the law, equality before the law and tolerance of differences. And while we fall well short of the lofty ideals of liberal democracy - discrimination is rife, tolerance limited - they are still the standards we aspire to and the basis of our peaceful coexistence.

Philippe Legrain is the author of Immigrants: Your Country Needs Them.
mail@philippelegrain.com

Siehe auch:
- Miles Kosmopolitis - Zwei Chance! Ein Plädoyer für eine Öffnung der Schweizer Armee

Montag, 26. März 2007

Gemeinsame Armee würde EU stärken

Neue Luzerner Zeitung, Seite 3., 24.03.2007
Interview von RAPHAEL PRINZ mit Kurt Spillmann, emeritierter Professor der ETH Zürich. Spillmann forscht und lehrt an der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik und Konfliktanalyse.


Nationen können ihre Probleme nicht alleine lösen. Auch die Sicherheitsfrage nicht, sagt Experte Kurt Spillmann und lobt Angela Merkel für ihren Weitblick.

Die nationale Souveränität ist auch für die Schweiz eine Illusion.


Angela Merkel schwebt als Ziel für die EU eine gemeinsame Armee vor. Ist das eine gute Idee?

Spillmann:
Merkel nimmt zum 50-Jahr-Jubiläum der EU eine nüchterne und realistische Beurteilung der Lage vor und zeigt, wo der Prozess der europäischen Integration hinführen wird. Ein so grosses politisches Gebilde wie die Europäische Union muss auch seine militärischen Machtmittel koordinieren. Das steht für mich ausser Frage.

Aus welchen Gründen?

Spillmann:
Irgendwie fühle ich mich an die Schweiz erinnert: 1848 hatten noch alle Kantone eigene Streitkräfte, was zu grossen Problemen und einer uneinheitlichen und unkoordinierten Truppe führte. Schon bald, 1874, machte man die Sicherheit und die Armee deshalb zu einer nationalen Aufgabe und nahm den Kantonen diese Kompetenz weg. Einen ähnlichen Prozess wird die EU durchmachen. Man darf nicht vergessen, dass die Sicherung von Frieden und Stabilität in Europa die wichtigste Errungenschaft der Union ist. Sie wurde gegründet, als Europa einer der grössten Unruheherde der Welt war. Eine gemeinsame europäische Armee würde weiter zu Frieden und Stabilität beitragen und die Bedeutung der EU auf dem Globus eindeutig stärken.

Was macht sie so sicher?

Spillmann:
Auch die Fragen von Krieg und Frieden muss man im globalen, ganzheitlichen Rahmen betrachten. Dies in Zukunft noch viel stärker als heute.
Die nationale Souveränität ist ein veraltetes Konzept. Ich sage sogar: Das Festklammern an der Landesverteidigung ist eine Mythologie von rechtskonservativen Kreisen wie der SVP.
Nehmen wir das Beispiel Klima: Die Nationen können dieses Problem nicht alleine lösen. Auch hier müssen Gebilde wie die EU die Richtung vorgeben.

Klimavorgaben für die Mitgliedsländer in Ehren; eine gemeinsame Armee scheint mir aber eine um einiges grössere Herausforderung.

Spillmann:
Das stimmt, die Sicherheit ist eine delikate Angelegenheit. Man gibt die Macht über die eigene Verteidigung nicht gerne ab. Die Polizeikorps als Beispiel sind in der Schweiz immer noch kantonal und teilweise kommunal geregelt. Veränderungen sind schwierig und dauern lange. Ich bin mir aber sicher, dass sich auch Merkel dieser Probleme bewusst ist. Der Aufbau einer europäischen Armee steht nicht kurz bevor, sondern braucht Zeit und Geduld.

Bisher ging es auch mit eigenen Armeen. Warum künftig nicht mehr?

Spillmann:
Die Entwicklung der Waffensysteme geht schnell voran. Die Waffen werden immer mächtiger und komplexer. Es macht keinen Sinn, dass alle europäischen Staaten einzeln Systeme entwickeln und beschaffen. Eine Zusammenarbeit ist sinnvoll, aus sicherheitspolitischen und auch aus finanziellen Überlegungen heraus.

Bleiben wir beim Blick in die Zukunft: Welche Rolle würde die Schweizer Armee spielen?

Spillmann:
Die nationale Souveränität ist auch für die Schweiz eine Illusion.
Sie profitiert sicherheitspolitisch heute schon von der Stabilität und der Zusammenarbeit ihrer Nachbarländer. Sie sollte sich deshalb einem solchen Prozess nicht verschliessen und mitmachen.
Unsere Armee steckt in einer Sinnkrise. Eine verstärkte europäische Zusammenarbeit gäbe ihr eine neue Perspektive.


Weiterführende Literatur:
Nabelschau - oder eine Auseinandersetzung mit verschwiegenen Wahrheiten

Miles Komsopolitis

Samstag, 10. März 2007

Kabul air strike kills nine members of same family

by Declan Walsh in Islamabad, The Guardian Weekly, March 9-15, 2007. Vol 176, Nr. 12, S.1

Is this the way how to win over hearts and minds?


Afghan confidence in western military forces was further frayed on Monday when a US air strike on a house near Kabul killed nine people spanning four generations of the same family.

Warplanes dropped two 2,000 lb bombs on the house in Kapisa province, just north of Kabul, hours after an attack on a nearby US base. The apparent mistake came a day after American Special Forces opened fire on civilians on a busy road in eastern Afghanistan, killing up to 10 and wounding many more.

The mounting death toll is causing an uproar in a country that has suffered many civilian casualties since US-led forces toppled the Taliban in 2001. Last December President Hamid Karzai wept as he pleaded with western troops to avoid unnecessary deaths.

Reporters at the scene of the Kapisa bombing said the bombs had pulverised the main house in a compound of five buildings. Gulam Nabi, a relative of the victims, said four children aged between six months and five years had been killed.

The US military said it had fired on the house because two men who had just fired a rocket on the US-run Nato base were seen running into the compound. "These men knowingly endangered civilians by retreating into a populated area while conducting attacks against coalition forces," said spokesman Lieutenant Colonel David Accetta.


News of the bombing came as tensions were still high over last Sunday's incident in eastern Nangarhar province, when a convoy of Marine Special Forces made a frenzied escape from the scene of a suicide bomb attack.

Witnesses said the Americans indiscriminately opened fire on passersby and vehicles halted on the side of the road. The US military said its troops had fired in self-defence after coming under fire from several directions in a pre-planned ambush.

Several witnesses and provincial officials disputed that explanation, insisting that there had been no incoming fire.

Samstag, 3. Februar 2007

First US officer since Vietnam goes on trial for speaking out

Eager recruit turned critic faces military prison after refusing to fight

by Suzanne Goldenberg in Washington
Saturday February 3, 2007, The Guardian


On the eve of America's invasion of Iraq, he was heartsick at the prospect that he might not be military material. He even shelled out $800 for medical tests to convince the recruiters that he was fit for duty despite childhood asthma that would ordinarily render him ineligible for service.

On Monday, that same eager recruit, now Lieutenant Ehren Watada, faces a court martial for refusing to deploy to Iraq and for making public statements against the war. He is the first officer to be prosecuted for publicly criticising the war - indeed the first since the Vietnam era when an army captain was court martialled for addressing an anti-war demonstration outside the US embassy in London. If he is convicted on all charges, Lt Watada could spend four years in a military prison.

In that trajectory from eager recruit through disillusion to dissent is a transformation that mirrors and resonates with an American public at a point when it too has turned against the country's involvement in Iraq, making Lt Watada a hero of the anti-war movement.

His prosecution was also seen as an issue of free speech after two journalists were subpoenaed to testify against Lt Watada on two additional charges. Those charges were dropped this week.

Lt Watada, 28, argues that to serve in Iraq would betray his conscience and his duties as an officer. "It would be a violation of my oath because this war to me is illegal in the sense that it was waged in deception, and it was also in
violation of international law," he told the Guardian. "Officers and leaders have that responsibility to speak out for the enlisted and certainly when we do so it comes with more consequences, which is what a leader should do. A leader can't just go with the crowd.


Lt Watada decided a year ago that he would not serve in Iraq. Since then he has spoken out at press conferences and to veterans' groups. These actions infuriated military officials, who have charged him with conduct unbecoming an officer for publicly saying that service in Iraq would make him party to a war crime, and for suggesting that soldiers could bring the war to an end by throwing down their weapons.

Lt Watada is not the first soldier to voice his objections to the war in Iraq. A number of enlisted men have publicly refused to serve there, citing conscientious objection. Thirteen have sought refugee status in Canada. Thousands more have gone AWOL. Last year, six senior generals, including some who had served in the invasion and occupation of Iraq, demanded that Donald Rumsfeld, then Pentagon chief, stand down.

But Lt Watada is in none of those camps and he does not claim to be a
conscientious objector. He decided to go public with his opposition to the war,
a choice his civilian lawyer, Eric Seitz, believes singled out Lt Watada for
prosecution. "They decided at a lower level to make an example out of Lt
Watada," he said. "It was this kind of questioning and resistance that ended up
destroying the ability of military forces to fight in Vietnam and they are very
concerned about a repetition of that."


Lt Watada's objections to the war are unlikely to be aired at his court martial. The judge has narrowed the scope of the trial and refused defence witnesses.

The Pentagon maintains that Lt Watada gave up his right to free speech when he put on the uniform. "As a soldier you are held to a different standard. You can't go and say things that are going to offend the order and discipline of the military," said Joseph Piek, a spokesman at Fort Lewis, Washington, where Lt Watada is to stand trial. "Soldiers understand that you can't divorce yourself from being a soldier."

That view is also shared by the retired generals who spoke out last year.

"He is wearing the uniform," said General John Batiste, who left the army in protest at Mr Rumsfeld's leadership. Lt Watada's criticism falls into a different category because he was still on active duty. "Discipline is fundamental in a military organisation and officers swear to support and defend the constitution of the United States against all enemies, foreign and domestic, and obey the officers appointed over them."

(...)

"Certainly I joined the military already knowing that we were about to enter a war in which there was some notable opposition," Lt Watada said. "But when the administration comes out and says the threat was imminent and that Saddam has
weapons of mass destruction and that he has ties to al-Qaida and therefore he has the means to attack us at any point, I remember telling my father: 'You know, we should give them the benefit of the doubt.'"


He shipped out to South Korea in June of that year. By the time his unit returned to the US in June 2005, American public opinion had already begun to turn against the war. But Lt Watada's conversion did not start until several months later when he began reading up on Iraq in preparation for a tour of duty.

"It was so shocking to me. I guess I had heard about WMD and that we made a terrible, terrible mistake," he said. "Mistakes can happen but to think that it was deliberate and that a careful deception was done on the American people -
you just had to question who you are as a serviceman, as an American."


Early last year, Lt Watada took his doubts to his commanding officer, hoping he would be allowed to retire quietly. He also offered to serve in Afghanistan. Both options were refused although the military did offer him a safe berth in Iraq - which he turned down.

Lt Watada accepts that refusing orders on the battlefield would lead to chaos. "In a pitched battle of course you can't have soldiers saying 'oh, no I don't feel like covering that sector right now.'" But he refuses to believe that the dissent of a junior officer would destroy army morale, or threaten control of America's military, and he was not willing to wait until he was out of uniform to speak out. Someone had to speak out, he argues.

"Everybody is scared there is going to be a coup if the military does not bow down to civilian control, but that does not mean to bow down blindly," he said.

"A general can still resign in protest publicly, and not be subverting civilian control. He can be sending a message, and I think it would be a huge message if it was someone on active duty. But these guys wait until they retire and their pension is secure."


He added: "I wish it didn't have to be me. I wish the generals hadn't put me in this position."

Weiterführende Links:
Miles Kosmopolitis

Sonntag, 28. Januar 2007

Survival of the Fittest?!?

Der neurobiologische Ansatz oder: Eine kritische Betrachtung des soziobiologischen Ansatzes

Eine augenöffnende Kritik an die Soziobiologie und deren Fehlannahmen, dass die zentrale Antriebe lebender Systeme darauf ausgerichtet seien, sich maximal zu verbreiten und gegeneinander zu kämpfen, liefert Bauer mit seinem neurobiologischen Ansatz und dessen Folgerungen, dass ohne Kooperation die Evolution hin zum Komplexen gar nicht zu erklären und dass der Mensch von Natur aus auf Kooperation getrimmt sei.

Begriffe wie "Konkurrenz" und "Überlebenskampf" sind menschliche Konstruktionen, die aus dem Wirtschaftsleben kommen und von aussen an die Biologie herangetragen worden sind. Es ist an der Zeit einige Annahmen des Darwinismus und der Soziobiologie in Frage zu stellen.[1]

Darwins Abstammungslehre steht aufgrund einer überwältigenden Ansammlung von entsprechenden Funden und Beobachtungen ausser Frage. Die Kritik betrifft einen ganz anderen Punkt, nämlich ob die Evolution tatsächlich nach dem Prinzip des Kampfes um Dasein voranschreitet, ob Gene "egoistisch" sind und ob der Mensch, wie Darwin es formulierte, ein Wesen ist, welches dem Kampf ausgesetzt bleiben muss.[2]

Darwins Modell übersieht die grundlegende Bedeutung des am Anfang aller Biologie stehenden Phänomens der Kooperation.[3]

Die soziobiologische Vorstellung eines "egoistischen Gens" (...) konnte nur von Personen entwickelt werden, die niemals selbst direkt an Genen gearbeitet haben. Das Geheimnis der Vermehrung von Lebewesen ist die Verdoppelung aus sich slebst heraus ist nicht möglich, sie ist ein in höchstem Masse kooperativer Prozess. Die Replikation (Selbstkopie) von DNA ist undenkbar ohne Helfermoleküle, die mit der Erbsubstanz eine kooperiende Einheit bilden.[4]

[Der Mensch] ist - aus neurobiologischer Sicht - auf soziale Resonanz und Kooperation angelegtes Wesen. Kern aller menschlichen Motivation ist es, zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung oder Zuneigung zu finden und zu geben.[5]


Aggression steht - ob direkt oder indirekt - immer in funktionalem Zusammenhang mit dem Grundbedürfnis des Menschen nach Beziehung und ist diesem Bedürfnis unter- oder nachgeordnet.[6]

Aggression ist also kein Selbstweck, sondern steht immer im Dienste des Strebens nach Anerkennung, Beziehung, Kooperation und sozialer Zugehörigkeit.[7]

Der Zweck der Aggression, die gemeinschaftlich ausgeübt wird, besteht darin, Gemeinschaft eben durch gemeinsamen Kampf herzustellen. Dieser Zusammenhang zwischen Bindung und Aggression betrifft nicht nur Gewalt, wie sie von Jugendbanden ausgeübt wird, sondern auch Kampf- oder Kriegskameradschaften. Die von vielen Soldaten zeitlebens wiedergegebenen, erlittenes Leid und eigene Traumatisierungen verklärenden Erinnerungen sind Ausdruck eines gerade unter Todesgefahr manchmal fast ekstatischen Gemeinschaftserlebens.[8]

Das "Gedächnis" der Gene: Die Epigenetik

Gene haben die Möglichkeit, Erfahrungen des Organismus in seiner Umwelt abzuspeichern. Dies kann eine längerfristige Änderung der Arbeitsweise eines Gens bewirken.[9]

Die Veränderung an der genetischen "Verpackung", welche die Funktion eines Gens verändert, ohne dabei Einfluss auf den "Text" des Gens zu nehmen, also ohne die DNA-Sequenz zu verändern, werden als epigenetisch bezeichnet. Für die Funktion der Gene hat die "biochemische Verpackung", also die Epigenetik, nach inzwischen gesicherten Erkenntnissen eine mindestens ebenso weit reichende Bedeutung wie der eigentliche "Text" des Gens. Epigenetische Strukturen wiederum werden in hehem Masse durch Umwelterfahrungen geprägt. Veränderungen an epigenetischen Strukturen können ein Gen bremsen oder völlig ausschalten, sie können es aber auch aktivieren. (...) Ursachen epigenetischer Veränderungen sind in der Regel chemische oder biochemische Substanzen, und zwar sowohl solche, die dem Körper selbst entstammen, als auch von ausserhalb des Körpers kommende Einflüsse (...). (...) auch psychische Erfahrungen bewirken epigenetische Veränderungen, indem sie vom Gehirn in biologische Signale verwandelt werden.[10]

Intensive, prägende Erfarhungen, die in der frühen Zeit des Lebens in das epigenetische Muster eingehen, hinterlassen ihre Spuren unabhängig davon, ob die Erfahrung mit genetisch verwandten oder nicht verwandten Bezugspersnonen gemacht wurden. Daraus folgt, dass wir ausserhalb des eigentlichen Erbgangs nachhaltig biologisch geprägt werden können. (...). Gene und Umwelt, Beziehungserfahrung und körperliche Biologie bilden eine Einheit, soe sind Teil eines kooperativen Projekts.[11]


Wenn es um Verhalten geht, haben biologische Erfahrungen - vor allem solche in der Lernphase des Lebens - (...) eine stärkere Wirkung als die genetische Abstammung. (...). Eine ganze Serie von jüngeren Studien (...) zeigt, dass dort, wo Aggressivität im Sinne eines durchgehenden Verhaltensmusters auftritt, neben selbst erlittenen Gewalterfahrungen insbesondere auch Lernprozesse - und hier neuerdings auch der Konsum von Gewaltvideos und so genannten Killerspielen (Egoshooters) - eine entscheidende Rolle spielen.[12]



[1]Bauer (2006), S. 18-19.
[2]Bauer (2006), S. 20.
[3]Bauer (2006), S. 128.
[4]Bauer (2006), S. 129.
[5]Bauer (2006), S. 21.
[6]Bauer (2006), S. 87.
[7]Bauer (2006), S. 83.
[8]Bauer (2006), S. 85.
[9]Bauer (2006), S. 161.
[10]Bauer (2006), S. 163-164.
[11]Bauer (2006), S. 165.
[12]Bauer (2006), S. 83.

Quellen und weiterführende Literatur/Links:

Bauer, J (2006), Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren (Hamburg: Hoffmann und Campe).

Abegglen, C.M.V. (2006), MILES KOSMOPOLITIS - Brevier für den kritisch urteilenden Soldaten http://www.military.ch/abegglen/papers/miles_kosmopolitis.pdf